Winschen an Bord

Winsch zum Einrollen der Genua auf einer Bavaria 49

Bei zunehmender Segelfläche wird es immer schwieriger, die Segel per Hand dichtzunehmen – deshalb findet man auf Yachten Winschen.
Auf den meisten Yachten werden rechtsdrehende Winschen verwendet, das heißt man wickelt die Leine im Uhrzeigersinn um die Winschtrommel.
Bei selbstholenden Winschen befindet sich über der Winschtrommel eine umlaufende Klemme, in die die Schot geklemmt werden kann.
Bei nicht selbstholenden Winschen entfällt diese Klemme; stattdessen wird die Leine an einer Klampe belegt.
Vor Winschen ist vor allem auf größeren Booten mit großer Segelfläche größte Vorsicht geboten: zu schnell wickelt sich bei Fehlbedienung die Leine von der Winsch und zieht dann die Hand „in“ die Winsch – mit größtem Verletzungsrisiko.
Deshalb sollte man einige Grundregeln beherzigen, vor allem bei der Bedienung der Vorschoten:
Die Leine sollte stets ordentlich in Buchten gelegt werden, und nicht im Sitzbereich im Cockpit abgelegt werden, um Verletzungen zu vermeiden wenn eine falsch beklemmte Leine sich von der Winsch löst und ausrauscht.
Leinen sollten nicht aufgeschossen werden, da sie eventuell schnell losgeworfen werden müssen.
Die Hand sollte die Leine möglichst nicht „umschlingen“, sondern die Leine so halten, dass eine ausrauschende Leine die Hand nicht mit sich reißt.
Bei einer selbstholenden Winsch sollte die Leine nie nach oben gezogen werden, sondern stets nach unten oder zur Seite, da bei Zug und z.B. schlagendem Segel sich die Leine in Sekundenschnelle von der Winsch wickelt und man dann gegebenenfalls Tonnen an Last mit der Hand hält, die gar nicht schnell genug loslassen kann ehe etwas passiert.
Bei einer Winsch, an der die Leine nicht dichtgenommen wird (z.B. Luv-Winsch für die Vorschot) wird die Leine einmal zur Führung herumgewickelt, und darauf geachtet, dass die Leine frei ist. Die eine Umwicklung soll verhindern, dass das „Leinenbündel“ nach vorne gezogen wird und sich z.B. an der Sprayhood oder andern Ösen verhakt.
Auf der Seite, an der die Leine dichtgenommen wird (z.B. Lee-Winsch für die Vorschot) wird die Leine dreimal in der Regel im Uhrzeigersinn um die Winschtrommel gewickelt. Die Leine kommt allerdings noch nicht in die Klemme, da die Klemme Reibung erzeugt, so dass sich so die Leine schlechter dichtholen ließe. Bei 2 Umdrehungen um die Winschtrommel reicht meist die Reibung nicht aus, um die Leine vom „leer durchgehen“ zu hindern, bei 4 Umdrehungen um die Winschtrommel hat man schnell einen Überläufer auf der Winsch – also einen ungewollten Knoten.
Zum Dichtholen zieht man Anfangs per Hand, z.B. indem man abwechselnd mit der rechten und linken Hand die Schot greift und nach hinten zur Seite wegzieht. Dadurch kann man schnell viel Leine „nach hinten befördern“. Wenn es härter geht, beklemmt man die Leine an der Klemme und steckt die Winschkurbel auf die Winsch und kurbelt erst im „schnellen“ Gang und anschließend im „langsamen“ (aber kräftigeren) Gang. Sollte die Leine beim Winschen wegen zu großer Last im Segel leer durchgehen, nimmt man vorsichtig die Leine aus der Klemme (Leine stets leicht nach unten ziehen, nie nach oben), hält sie auf Zug, wickelt sie ein viertes Mal um die Winsch, beklemmt die Leine wieder und kurbelt weiter. Es bietet sich nicht an, von Anfang an 4 Umdrehungen auf der Winsch zu haben, da nur wenn die Leine unter Zug ist keine Überläufer entstehen, ist die Leine lose beim Dichtnehmen entstehen leicht Überläufer.
Abschließend legt man die Leine in Buchten neben die Winsch, so dass man die Leine loswerfen kann, ohne dass sie sich verknotet.

Winsch

Genuawinsch

1 Kommentare.

  1. Sehr interessante und ausführliche Beschreibung der Winsch und ihrer Verwendung und Funktionsweise. Mir persönlich fehlt zur Abrundung des Eintrags die Beschreibung der Winschkurbel, denn jede Winsch ist nur so gut wie die verwendete Winschkurbel.
    Verschiedene Kurbellängen sorgen für unterschiedliche Hebelwirkungen, weshalb auf den meisten Booten beide Standardlängen von 8″ und 10″ vorhanden sind, was etwa 20cm und 25cm entspricht. Auch die Materialauswahl ist wichtig, denn eine Winschkurbel sollte verwindungssteif sein, um eine optimale Fraftübertragung zu gewährleisten. Schwimmfähige Kurbeln aus Kunststoff sind häufig zu „weich“. Und eine einmal über Bord gegangene Kurbel bekommt man in der Regel sowieso nicht mehr zurück an Deck. Ein „Muss“ ist die Arretierung bzw. der Lockin einer Winschkurbel, so dass sich die Kurbel nicht einfach von der Winsch lösen kann, sondern vorher die Arretierung manuell gelöst werden muss. Für sportlichere Segler ist die Auswahl es Griffs ebenfalls sehr wichtig. Nähere Infos hierzu und weitere Details zu Winschkurbel unter http://www.12seemeilen.de/segelzubehoer-winschkurbeln/

    Martin