Ankern

Zum sicheren Ankern gehört Erfahrung. Bei Flaute und sehr leichtem Wind hält der Anker fast immer. Ganz anders sieht es aber bei mäßig bis gutem Wind oder Sturm aus. In vielen Lehrbüchern steht, dass das 3-fache der Wassertiefe an Ankerkette ausreichend ist. Das mag für flauen Wind (z.B. in heißen Sommermonaten) tatsächlich zutreffen, doch kommt dann z.B. nachts doch Wind auf treibt das Boot schnell ab. Einen nicht haltenden Anker erkennt man in der Regel daran, dass der Bug nicht mehr in den Wind (bzw. in die Strömung) zeigt, sondern quer dazu steht. Allein schon wegen der Tatsache, dass der Wind während der Nacht seine Stärke und Richtung ändern kann, sollte man sich nicht auf so wenig Kette verlassen. Zu leicht hebt es einen Anker „aus“, wenn der Wind aus der entgegengesetzten Richtung kommt und bei wenig Ankerkette sind die Chancen gering, dass sich der Anker wieder eingraben kann.
Zwei Dinge sind besonders zu beachten: ob der Anker hält und der Schwojkreis.
Der Schwojkreis ist der Radius um den Anker, den das Boot zurücklegen kann, wenn der Wind dreht/der Strom kentert.
Zum Ankern eignet sich insbesondere Sandgrund, der daran zu erkennen ist, dass der Grund heller ist als viele andere Untergründe.
Gibt es dunkle Felder (oft Seegraß) und helle Felder (meist Sand), so wirft man den Anker im größten Sandfeld. Der Anker sollte nicht auf Seegraß geworfen werden, weil er dort gar nicht hält.
Schlamm eignet sich mäßig, man muss aber berücksichtigen dass man den Anker eine gute Strecke durch den Schlamm ziehen kann, wenn nur die Zugkraft (Motor oder Wind) groß genug ist.
Es gibt auch Schlammgründe, bei denen der Anker sehr gut hält, weil der Anker tief im Schlamm versinkt.
Felsen sind zum Ankern weniger geeignet, da der Anker entweder über ein Felsplateau gezogen wird und nicht hält oder in eine Felsspalte fällt und von dort nur mühsam geborgen werden kann.
Kleinere bis mittlere Steine halten auch mäßig.
Zum Ankern völlig ungeeignet ist Seegras. Der Anker fällt auf ein Seegrasfeld, das teilweise meterhoch ist und kann dort nicht haften.
An Ankerkette sollte das 6-fache der Wassertiefe gegeben werden, mindestens aber 30m. Ist starker Wind zu erwarten sollte mehr Kette gesteckt werden, sofern es der Schwojkreis zulässt. Für den Halt des Ankers ist die Kette sehr wichtig. Indem sie eben am Grund liegt, sorgt sie dafür, dass sich der Anker eingraben kann. Wird zu wenig Kette gesteckt, wird der Anker nach oben gezogen (wie auch beim Anker-auf Manöver) und gräbt sich aus.
Deshalb sollte stets Kette oder zumindest ein Kettenvorlauf verwendet werden. Eine Ankerleine allein sorgt nicht für guten Halt.
Eine Ankerkette sollte am Ende mit einer dünneren Leine (6 oder 8mm) am Schiff befestigt sein.
Wenn die Ankerkette ausrauscht, so hält zumindest diese Leine die Kette, da die Leine nicht durch die Winsch rutschen kann.
Die Kette direkt anzuschäkeln macht wenig Sinn: zum einen ist es dann schwer möglich, den Anker in einer Gefahrensituation zu kappen. Zudem sorgt eine Leine dafür, dass wenn versehentlich auch der letzte Rest Kette gegeben wird, die Ankerwinsch leer durchdreht, was bei Kette nicht möglich wäre.
Manchmal empfiehlt es sich, eine Fangleine um die Ankerkette zu führen. Sollte die Kette unerwartet ausrauschen, so kann man an dieser Fangleine anziehen und wie mit einem Lasso die Kette zum Stillstand bringen.
Mit der Hand eine ausrauschende Kette zu stoppen ist nicht empfehlenswert, aufgrund des Verletzungsrisikos.

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